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Die Gneisenau - Operation Berlin

Der erste Versuch durchzubrechen

Nach fast dreimonatiger Werftzeit dockt die Gneisenau am 21. Oktober aus. Nach üblichen Werft-Nachfolgearbeiten wie Abstimmen, Munitionsübernahme und anderem geht das Schiff am 14. November nach Osten zu Maschinenerprobungen, Schießübungen, Meilenfahrten und Überlaufversuchen gegen Magnetminen. Gelegentliches Einlaufen in Gotenhafen. Am 7. Dezember steigt Admiral Lütjens mit seinem Stab zur Teilnahme am Kaliberschießen und an Verbandsübungen ein.

Zum Zufuhrkrieg im Atlantik läuft die Gneisenau gemeinsam mit der Scharnhorst und dem üblichen Geleit am 28. Dezember aus Kiel aus. Sie hat nunmehr insgesamt 1902 Mann an Bord. Am 29. abends wird die Skagen-Sperre passiert. Immer mehr machen sich die bei starkem Westwind heranrollenden Seen bemerkbar, die große Mengen Wasser über das Vorschiff kommen lassen. Die Fahrt von 25 kn wird daher langsam erst auf 22 und bald auf 17 kn vermindert. Dennoch hat das Schiff bereits die ersten Seeschäden: in mehreren Decks sogar Spanten und Träger gebrochen. Die volle Seefähigkeit der Gneisenau ist dadurch eingeschränkt. Der Verband geht in das Schärengebiet beim Korsfjord. Das OKM bestimmt dass die Gneisenau nach Gotenhafen zur Reparatur laufen soll; so dreht am 30. nachts die Gneisenau auf Südkurs und trifft am 2. Januar in Gotenhafen ein. Gleich nach dem Einlaufen findet in der Werft eine Besprechung zur genauen Feststellung der erlittenen Schäden statt. Es ergibt sich, dass das Hauptventil der Stb-Turbine gerissen ist und dass Ausbau, Reparatur und Wiedereinbau über zwei Wochen dauern werden.

Schnell bildet sich eine große Eisfläche im Hafen und bei längerem Liegen besteht die Gefahr, dass das Schiff festfriert. Da die Schiffbauer unbedingt noch einmal docken wollen, um notfalls entstandene Risse schweißen zu können geht die Gneisenau nach Kiel, um dort die Reparaturen zu beenden.

Am 11. Januar 1941 ist eine große Werftbesprechung an Bord. Sie steht unter der Leitung vom Chef des Konstruktionsamtes, Vizeadmiral Fuchs. Es wird bei dieser Sitzung festgestellt, dass bei der Scharnhorst bereits nach der Norwegen-Unternehmung umfangreiche Verstärkungen unter der Back eingebaut wurden und nach Reparatur des torpedierten Vorstevens eine wichtige tragende Stütze unter der Back nicht wieder eingebaut wurde.

Am 14. Januar: Ausdocken, Restarbeiten an der Pier, u. a. Anbordnahme einer 2-cm-Vierlingslafette auf ein hohes "Storchennest" und Ersatz der 2 cm C/30 durch C/38.

Die Operation Berlin

Am 22. Januar 1941 läuft die Gneisenau zusammen mit der Scharnhorst aus. Am Südausgang des Großen Belts wird über Nacht geankert. Am kommenden Morgen bei klarem Wetter ankerauf. Jedes Schiff hat aus Sicherheitsgründen einen Schlepper bei sich, außerdem fährt ein großer Eisbrecher vor dem Verband. 23.30 Uhr 12 sm nördlich Läsö Ankern bis zum 25.01. vormittags, da die zugeteilten T-Boote wegen starken Oststurms nicht auslaufen können und ein größerer Feindverband im Seegebiet Stavanger Minen legt. Abends wird die Kristiansand-Sperrlücke passiert, und ab etwa 19.30 Uhr geht der Verband auf 25 kn. Am 26. vormittags in Höhe Stadlandet. Am 27. um 04.00 Uhr dreht der Verband auf 204° und steuert mit geringerer Fahrt die Island-Passage, das Gebiet südlich Island, an, um von hier in den freien Atlantik auszubrechen. Da die Dänemarkstraße, das Gebiet nördlich Island bis Grönland, noch stark vereist und daher eng und leichter kontrollierbar ist, ist ein unbemerkter Durchbruch nur bei schlechter Wetterlage möglich.

Am 28. Januar, 06.22 Uhr, Dete-Meldung Scharnhorst, die dicht aufgeschlossen hinter der Gneisenau fährt: "Bb voraus ein sich schnell näherndes Objekt erfaßt". Die Gneisenau dreht sofort um 8 Dez nach Stb. Auf größere Entfernung ist ein Fahrzeug zu erkennen. Auf neuem Kurs, etwa 330°, sichtet auf der Brücke ein Signalmaat einen Schatten, der schnell als Zerstörer ausgemacht wird und in kürzester Zeit auf 30 bis 35 hm an Bb steht. Nichts deutet darauf hin, dass er die deutschen Schiffe gesehen hat. Erst später melden zwei Maate vom Zielgeber im Vormars, dass sie in der Mitte des Gegners zwei weiße Wassersäulen gesehen hätten, als wenn zwei abgeschossene Torpedos ins Wasser geglitten wären. Torpedolaufbahnen werden aber nicht beobachtet, auch werden keine Geräusche von Torpedos in der Horchzentrale aufgefangen. Bei 62° 40" N und 18° W macht der Verband kehrt. Nach Sichten des Zerstörers lässt die Flotte sofort auf 40° und später nacheinander auf 60 und 90° weiter drehen. Auf Ostkurs ist an Stb querab auf etwa 100 hm ein festes weißes Licht zu sehen, das achteraus wandert. Bald darauf kommt eine Dete-Meldung, dass in 300°, 140 hm entfernt, ein großes Objekt zu erkennen ist, später sind es mehrere, die ebenfalls achteraus wandern und langsam Bb achteraus verschwinden. Von der Brücke ist nichts auszumachen, da die Schiffe inzwischen auf hohe Fahrt gegangen sind und mit 28 kn gegen die See laufen. Der zuerst erfasste Zerstörer folgt noch längere Zeit, geht aber verloren, als der Verband gelegentlich um 1 oder 2 Dez dreht. Bei Helligkeit ist nichts mehr zu sehen. Mittags kommt an Bb auf ungefähr 320 hm ein Kriegsschiff in Sicht, man erkennt anderthalb Masten. Der Fremde liegt auf östlichem Kurs. Die deutschen Schiffe drehen etwas ab, und der Gegner verschwindet bald. Nachmittags Fliegeralarm, ein einzelner Aufklärer weit weg im Süden, später noch einer. Sie verschwinden aber bald wieder und haben die Schiffe anscheinend nicht gesichtet.

Dem Flottenchef ist durch die Ereignisse der letzten Stunden klar geworden, dass ein unbemerkter Durchbruch durch die Island-Passage nahezu unmöglich ist. Er entscheidet, durch die Dänemark-Straße in den Atlantik zu gehen, vorher aber Brennstoff aus dem Tanker Adria zu ergänzen, die im Nordmeer aufgestellt ist.

Am 29. Januar gegen 09.00 Uhr kommt die Scharnhorst auf etwa 68° N u. 1/2' O längsseit, um einen Wurfbeutel mit längerem Funkspruch von der Flotte an die Gruppe West zu übernehmen und ihn anschließend mit einem Bordflugzeug zum Admiral Nordküste in Drontheim zu bringen oder ihn selbst im Notfall abzugeben. Das Flugzeug unter Oberleutnant zur See Martin gibt nach Stunden seine Standortmeldung ab: Wegen Brennstoffmangel musste er in einem Fjord südlich von Drontheim wassern.

Es geht weiter nach Norden bei zunächst gutem Wetter und ruhiger See. Am 30.01. Auf dem Treffpunkt mit dem Tanker Adria angekommen. Die Gneisenau beginnt mit der Übernahme. Bei starkem Seegang ist das Herstellen und Halten der Verbindung schwierig, die erste reißt ab; das Erneuern dauert mehrere Stunden. Dieser Vorgang wird die Schiffe mindestens zwei Tage aufhalten, die hier bei 72° 30' stehen. Abends reißt abermals ein Schlauch. Statt 260 cbm Stundenleistung werden nur knapp 130 cbm stündlich übernommen.

Auf Grund von Erfahrungen mit dem Auffüllen der vorderen Ölzellen ist inzwischen angeordnet worden, dass bei einer Ölübernahme im allgemeinen die vorderen Zellen in Abt. XXI nicht gefüllt werden, sofern gleich nach dem Auslaufen mit schlechtem Wetter gerechnet werden muss, es sei denn, dass ein Zwang besteht, sie auf jeden Fall aufzufüllen, um einen vollen Aktionsradius zu erreichen. Auf diese Weise soll das Vorschiff weniger Wasser übernehmen.

Am 31. Januar, von Mitternacht bis morgens 04.00 Uhr, geraten die Schiffe langsam in Treibeis, das zum Abschlagen auch des zweiten Schlauches zwingt, da er brechen könnte. Die Gneisenau marschiert zu einem neuen Treffpunkt mit dem Tanker zurück, um auf einem Kurs, der vom Treibeis wegführt, die noch fehlenden 1400 t Öl zu übernehmen. Um Mitternacht ist das Manöver beendet. Der Wind hat inzwischen abgeflaut, nur die Dünung ist noch lang. Die Scharnhorst fängt mittags mit der Brennstoffübernahme von 3400 t an. Sobald sie die Ölübernahme beendet hat, soll versucht werden durch die Dänemarkstraße zu gehen.

Am 2. Februar nachts ist die Scharnhorst fertig, so dass die Adria entlassen werden kann. Die Schlachtkreuzer wenden sich langsam nach Westen. Kurz vor dem Wachwechsel um 08.00 Uhr fällt durch ein Missgeschick der Matrose Liske über Bord und wird nicht mehr gefunden. Kurs 250°. Die Schiffe laufen 12 kn. Der Verband steuert etwa 70 sm südlich von Jan Mayen vorbei. Am 3. Februar früh morgens zwingt starkes Eis die Schiffe, nach Süden, teilweise sogar nach Südosten auszuweichen und dichter unter die isländische Küste zu gehen. Gegen 18.00 Uhr stehen die Schiffe in 25 km Entfernung dicht vor der Nordwestecke Islands. Am 4. Februar ortet das Dete-Gerät gegen 04.00 Uhr voraus ein Schiff. Gneisenau und Scharnhorst drehen um mehrere Dez ab. Der Gegner kommt an Bb mit Querabstand von 72 hm langsam achteraus. Die Schiffe gehen bald auf den alten Kurs zurück und laufen den alten Kurs weiter, der Durchbruch war erfolgreich. Admiral Lütjens macht mittags ein Flaggensignal: "Zum ersten Mal in der Seekriegsgeschichte ist es deutschen Schlachtschiffen gelungen, in den freien Atlantik einzudringen. Und nun ran!" Abends wird der 60. Breitengrad passiert. Am 5. Februar passieren die Schiffe auf Kurs 220° die Südspitze Grönlands, das Kap Farvel in etwa 60 sm Entfernung.

Mittags trifft der Verband den Tanker Schlettstadt. Bei abnehmendem Wind und ruhiger See beginnt die Gneisenau mit der Übernahme von 1500 t, anschließend die Scharnhorst die gleicher Menge. Am 6. Februar früh sind beide Schiffe fertig. Mit SO-Kurs geht es ins Operationsgebiet. Das Wetter wird diesig mit einer Sicht von nur 3500 m, bis es nachmittags, aber bei starker Zunahme des Windes, aufklart. Am 7. Februar stehen die Schlachtkreuzer auf dem vermuteten Halifaxgeleitzug-Weg. Beide Einheiten marschieren 40 sm auseinander und dampfen auf NW- bzw. SO-Kurs mit 15 kn auf und ab. Der Wind frischt auf W 8 auf. Die Gneisenau schlingert bis 18° und nimmt sehr viel Wasser über. Einige Männer werden schwer, andere leicht verletzt. Der erwartete Geleitzug kommt nicht in Sicht, auch keine Einzelfahrer.

Am 8. früh ortet das Dete-Gerät auf große Entfernung zwei nach Westen laufende Schiffe, der Richtung nach leer, um neue Ladung aus den USA oder Kanada zu holen. Da Lütjens immer noch einen Geleitzug mit beladenen Dampfern hofft anzutreffen, unterlässt er einen Kontakt mit diesen Schiffen. Gegen 08.15 Uhr wird auf 350 hm Entfernung ein Mast gesichtet. Die Gneisenau läuft ab, Lütjens setzt die Scharnhorst auf diese Schiffe an. Die Gneisenau dreht nach etwa einer Stunde wieder zurück, um diese Schiffe in die Zange zu nehmen. Bevor der Gegner aber in Sicht kommt, meldet die Scharnhorst, es habe ein Schlachtschiff (es handelte sich um die HMS Ramillies, 29150 t, 8 x 38 cm als SA, 12 x 15,2 und 8 x 10,2 cm als MA, aber nur 22 kn schnell) in Sicht und der Angriff wird abgebrochen.

Am 10. Februar ziehen sich die Scharnhorst und die Gneisenau wieder auf 40 sm zur Standlinie auseinander. Um ein Tief auszumanövrieren, geht der Verband mit 23 kn auf Kurs 300°. Um 03.00 Uhr früh ist der erwartete Sturm da und wird schnell zum Orkan. Das Barometer sinkt auf 958 mbar. Bei Schnee- und Hagelböen wird einem Dampfer in nächster Nähe ausgewichen, ohne ihn zu sehen. Die Gneisenau macht Umdrehungen für 7 kn, kommt aber bei WNW 8 bis 10 kaum von der Stelle. Auch am 12. und 13. Februar das gleiche Unwetter. Am 14. flaut es ab. Morgens trifft der Verband die beiden Tanker Schlettstadt und Esso. Gneisenau beginnt sofort mit der Schlettstadt, die Scharnhorst mit der Esso; die Ölübernahme ist bereits abends abgeschlossen.

Am 16. Februar auffrischende Brise, das Schiff rollt bis 8°. Vormittags soll die Gneisenau den Versorger Uckermark treffen, der aber nicht auf Position steht. Am 17. Februar steht die Gneisenau wieder mit der Scharnhorst 40 sm auseinander, nur etwa 250 sm ostwärts Kape Race (Neufundland). Die Schiffe haben kein Glück mit dem Wetter, da die Sicht nur 35 bis 50 hm beträgt. Nachmittags passiert die Kampfgruppe den Kern des Tiefs mit Windstille, kabbeliger See und Regen; bald darauf kommt Regen mit Wind aus West 7 bis 8. Die Scharnhorst wartet bei stockdunkler Nacht auf die Gneisenau, sie passiert auf 20 hm. Der 21. Februar: Bei sehr guter Sicht und mäßiger Dünung wartet die Besatzung der Gneisenau wieder vergeblich auf das in Sicht kommen eines Geleitzuges, obwohl auch das Bordflugzeug zur Suche eingesetzt wurde.

22. Februar: Als gegen 10.00 Uhr einzelne Rauchwolken in Sicht kommen, beschließt der Flottenchef, Einzelfahrer anzugreifen, da die Aussichten, in den nächsten Tagen noch einen Geleitzug zu finden und angreifen zu können nicht sonderlich groß zu sein scheinen. Am gleichen Tage werden vier Schiffe gesichtet und versenkt. Nachmittags wird das Flugzeug zur weiteren Suche ausgesetzt. Es kehrt nach zwei Stunden zurück und meldet, es habe einen Dampfer getroffen, ihn mit 2-cm-Geschossen, MG-Salven und Bomben angegriffen und einen Beutel mit Kursanweisung auf die Brücke geworfen. Nachdem sich die Scharnhorst abends bei Gneisenau eingefunden hat, versuchen beide Schiffe den am Tage durch das Flugzeug aufgespürten Dampfer zu entdecken. Beide Schlachtkreuzer marschieren in der Dunkelheit nach Osten und bekommen um 22.00 Uhr in 358° Schiffspeilung auf 198 hm eine EM Il-Ortung. Der Flottenchef entscheidet einen Angriff durch die Gneisenau. Das fremde Schiff kommt auf 45 hm in Sicht, auf 25 hm wird unter Scheinwerferbeleuchtung mit der Mittelartillerie das Feuer eröffnet. In wenigen Minuten brennt das Schiff und bekommt starke Schlagseite. Es werden 32 Überlebende aufgenommen, die in einem Kutter und in Flößen längsseit gekommen sind.

Am 23. Februar erneutes Auseinanderziehen der Gneisenau und Scharnhorst, ohne Erfolg. Nachmittags Treffen mit dem Versorger Ermland und dem Tanker Friedrich Breme. Wegen des starken Seegangs wird die Ölübernahme verschoben auf den nächsten Tag verschoben. Am 28. Februar um 07.00 Uhr ist die Übernahme beendet. Die 148 Gefangenen werden an die Ermland abgegeben, zurück werden nur die vier Kapitäne behalten. Dann geht es mit Ostkurs gegen die Nord-Süd-Geleite. Zur Brennstoffersparnis wird zeitweise eine Turbine abgeschaltet.

3. März: Auf der Brücke Aufregung, da mehrere Ziele durch das EM II-Gerät gemessen werden, die sich später als die Kanarischen Inseln in 350 km Entfernung herausstellen.

Am 5. März abends werden die Schiffe von U 104 gesichtet und gemeldet.

Am 6. März steht die Gneisenau auf 24° N, 20° W. Auf 250 hm wird ein U-Bootsturm gesichtet. Das Boot ist U 124, Kommandant ist Kapitänleutnant Wilhelm Schulz. Das Boot kommt in Rufweite zum Austausch von Nachrichten.

Die Gneisenau steht am nächsten Vormittag noch weiter südlich, auf 19° 31' N mit Kurs 160'. Gegen 11.00 Uhr meldet die Scharnhorst, die 35 sm westlich marschiert, in etwa 22 sm voraus ein Schlachtschiff mit westlichem Kurs. Auf der Gneisenau sichtet man gegen Mittag erst einen, dann mehrere Dampfer, und schließlich sind es zwölf. Ein Kriegsschiff ist dabei nicht zu entdecken. Bald aber kommt das erwähnte Schlachtschiff bei der Scharnhorst in Sicht. Im Verlauf der nächsten beiden Tage beginnt ein Katz- und Maus-Spiel mit dem Gegner, dem Geleitzug als das Ziel und der Malaya, als die sich das Schlachtschiff herausstellt, und zwei Leichten Kreuzern der Aurora-Klasse, wobei die deutschen Schiffe versuchen, die Kriegsschiffe vom Geleit abzuziehen. Die deutschen Schiffe kommen aber nicht an die Dampfer heran. Der Flottenchef gibt daher seine Angriffsabsicht auf den Geleitzug auf und meldet durch Kurzsignal beabsichtigtes Tanken aus der Ermland und danach Operieren auf der Nordroute. Beim Ablaufen vom Geleitzug kommt ein Schwimmflugzeug in Sicht, das Fühlung hält und meldet. Jetzt ist dem Gegner zum ersten Mal völlig klar, dass die Gneisenau und die Scharnhorst gemeinsam operieren.

Am 11. März: Ölübernahme der Gneisenau aus der Uckermark, der Scharnhorst aus der Ermland, der früheren Altmark. Am nächsten Tag noch Proviantübernahme für eine weitere Woche. Nachmittags ist Kommandantensitzung beim Flottenchef, an der auch die Trossschiff-Kapitäne teilnehmen. Abends Marsch nach Norden zusammen mit den beiden Trossschiffen. Sie sollen die Aufklärungslinie außerhalb der beiden Schlachtkreuzer nach außen verlängern, und zwar bei einem Abstand zwischen den vier Schiffen von je 30 sm.

Am 15. März früh morgens sichtet das linke Flügelschiff, die Uckermark, einen Tanker auf Westkurs. Die Gneisenau marschiert hinterher. Ein Warnschuß, dicht am Schiff, lässt den Tankerkapitän stoppen. Durch Splitter wird zudem sein Funkraum getroffen. Ein Prisenkommando geht an Bord, und setzt es in Marsch zur Girondemündung. Zwei weitere Tanker werden angehalten und mit Prisenkommandos zur Girondemündung in Marsch gesetzt.

Am 16. März treffen die Schlachtkreuzer weitere Dampfer. Sie werden angehalten, die Besatzungen übernommen und die Schiffe versenkt. Nur das letzte und gleichzeitig kleinste macht Schwierigkeiten. Es reagiert nicht auf den Stoppbefehl, sondern läuft unter Einnebeln und ständigen Kursänderungen ab. Es brennt schließlich vorn und achtern, und die Besatzung steigt in ihre Boote. Drei Mann werden aus einem Kutter übernommen. Während ein anderer mit etwa 25 Mann zur Rettung der Besatzung längsseit liegt, meldet plötzlich die abseits liegende Uckermark ein sich schnell näherndes großes Kriegsschiff, dass gleich darauf als Nelson oder Rodney erkannt wird. Auf der Gneisenau müssen die Leinen des Kutters losgeworfen werden, durch Ausweichbewegungen und hocher Fahrt entkommt sie. Nach dem Sammeln mit der Scharnhorst geht der Verband auf Ostkurs mit Richtung auf Brest.

Mit der üblichen U-Boot- und Minensicherung läuft der Verband am 22. März früh auf die Reede von Brest ein.

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau