Newsarchiv/Presse
Die Schiffe
Die Operationen
Das Team / Partner
Projekte / Aktionen
Das Forum
Literatur
Links
Kontakt

Die Gneisenau - Operation Juno

Am 05.05.1940 gegen 11.47 Uhr ereignet sich vor der Elbemündung am Heck eine Detonation, anscheinend eine kleinere U-Boot- oder Flugzeugmine. Alle Schnellschlüsse fallen sofort aus, damit auch alle Hauptturbinen und die meisten Hilfsmaschinen, soweit sie von Strom abhängig sind. Die Anlagen werden aber bald wieder klar. Das Schadensergebnis: Stb-Wellentunnel und zwei Lasten in Abt. II laufen voll. Der Verband marschiert jetzt hinter einem Logger und dem Minensuchboot M 98 mit Kabel-Fernräumgerät (KFRG) bei langsamer Geschwindigkeit gegen den auslaufenden Strom. Er kommt erst bei Niedrigwasser infolge des Zwangsaufenthaltes durch die Minendetonation über die flachen Stellen zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel und sitzt dort einige Stunden fest.

Mit Kopfschlepper hinter einem M-Boot mit Räumgerät geht es am nächsten Tag durch den Kanal und abends gleich ins Schwimmdock an der Schwentine. Eine Untersuchung ergibt, dass äußerlich nur einige kleinere Risse zu sehen sind, wahrscheinlich aber sind Spanten und andere tragende Verbände beschädigt. Während dieser Reparatur wird auch die Kabelbündel-MES-Anlage, die die Magnetwirkung der Magnetminen aufhebt, eingebaut, am 20.05.1940 werden die SA-Türme der Gneisenau, bis jetzt gelb, rot gestrichen. Nachdem das Schiff bei einem Verholversuch auf Untiefe querab der Deutschen Werke, sitzengeblieben ist, gelingt erst am 21.05.40 das Verholen an die Boje A12, an der Munition übernommen wird. Am 23.04.1940: Auslaufen nach Osten, bis Bornholm hinter Nautilus mit ihrem KFRG. Vor Gotenhafen finden Überlaufversuche über Magnetminen zum Erproben der MES-Anlage statt, anschließend Flakschießen vor Pillau und Kaliberschießen gegen das Zielschiff Hessen in der Nähe von Bornholm. Danach zwei Tage Kiel.

Am 04.06.1940 unter Führung des Flottenchefs Admiral Wilhelm Marschall; Gneisenau, Scharnhorst, Schwerer Kreuzer Admiral Hipper mit Konteradmiral Schmundt und vier Zerstörern unter Führung des FdZ Kapitän zur See Bey: Hans Lody (v. Wangenheim), Hermann Schoemann (Detmers), Erich Steinbrinck (Johannesson) und Karl Galster (v. Bechtolsheim). Zusätzliches U-Bootgeleit durch die Torpedoboote Jaguar und Falke bis Skagen. Der Verband marschiert bei sehr gutem Wetter hinter einem großen Sperrbrecher bis Südende Großer Belt, wo sich der Führer der Minensuchverbände Ost, Konteradmiral Stohwasser, mit seinem Führerboot Hay vor die Schiffe setzt. Der Kommandant gibt der Besatzung das Ziel der Unternehmung bekannt: Unterstützung der Gruppe Narvik und der Gruppe Feurstein durch Angriff auf feindliche Seestreitkräfte und Transporter, vor allem bei Harstad.

05.06.1940: Die Kampfgruppe läuft dicht an der schwedischen Küste entlang und geht unter Geleit der 1. R-Flottille durch die Skagen-Sperrlücke, sie holt wegen eines gemeldeten Feind-U-Bootes weit nach Westen aus und geht dann auf nördliche Kurse. Ein Flugzeug wird auf 60 km ausgemacht und gemessen, die norwegische Küste ist mit bloßem Auge auf 85 bis 90 km zu erkennen.

06.06.1940: Sehr schlechte Sicht, teilweise nebelig. Die Schiffe passieren außer Sicht Stadlandet, später mehrere Drontheim vorgelagerte Inseln. Sie steuern Treffpunkt mit dem Tanker Dithmarschen an, der um 19.00 Uhr erreicht wird. Die drei Schiffe und der Tanker geben an die Zerstörer je 400 t Öl ab.

07.06.1940: Taghelle Nacht. Die Sonne bleibt etwa 1° über der Kimm. Mit 45° und 5 bis 7 kn steuern die Schiffe langsam nach Nordosten, bis Admiral Hipper gegen Abend ihre Ölübernahme beendet hat. Das Thermometer zeigt 3° über Null.

Für das Unternehmen gegen Harstad am 9. früh ist die Sicht zu gut. Die Schiffe würden schon auf 25 sm zu sehen sein. Mittags steht der Verband auf 68° 45' Nord, 1° 17 Ost, Abends leise Dünung, kühl, kein Wind. Um 20.30 Uhr ist Sitzung der Kommandanten und Chefs beim Flottenchef auf der Gneisenau. Sie kommen von allen Seiten längsseit. Der Verband liegt während dieser zwei bis drei Stunden gestoppt in zwei Kolonnen, auf der einen Seite die drei großen Schiffe und der Versorger, auf der anderen die vier Zerstörer. Diese Kommandanten- und Chefsitzung beim Flottenchef dauert über zwei Stunden lang.

Admiral Marschall hielt es für zweckmäßig, seine Befehlshaber und Kommandanten über die Lage zu informieren. Da Harstad wiederholt als Ziel der Unternehmung befohlen worden war, nahm der Flottenchef nach dieser Sitzung mit seinem Verband Kurs auf den Vaagsfjord zur Durchführung der Aufgabe.

Am Abend des 7. Juni wird auf dem Flaggschiff der Funkspruch eines Aufklärungsflugzeuges aufgenommen, nach dem es über Harstad nur von einem Kanonenboot beschossen worden sei, der Hafen scheine leer zu sein. Die Gneisenau hat diesen Funkspruch mitgelesen. Durch diesen Funkspruch, den die Seekriegsleitung leider nicht bekommen hat, ist für Admiral Marschall der Angriff auf Harstad zwecklos geworden.

Die Änderung des Operationsplanes wird durch ein FT-Kurzsignal an die Marinegruppe West gegeben, die sofort antwortet und befiehlt, den Geleitzug durch die Admiral Hipper jagen zu lassen und an der Hauptaufgabe festzuhalten. Admiral Marschall bleibt aber bei seinem Entschluss, das inzwischen "leere" Harstad nicht anzugreifen, sondern sich der Geleite anzunehmen.

08.06.1940: Gegen 06.00 Uhr Sichtung eines Tanker mit. Die Mittelartillerie der Gneisenau versenkt den Tanker, Admiral Hipper den Bewacher. Gegen Mittag wird vom Vormars auf 50 000 m ein großer Dampfer mit zwei Schornsteinen gesichtet, mindestens 18 000 BRT. Weiter ab fährt ein kleinerer Dampfer. Admiral Hipper bekommt Befehl, das größere Schiff zu versenken, das andere wird beim Näherkommen als Lazarettschiff erkannt, das unbehelligt weiterlaufen kann. Mittags werden die Hipper und die vier Zerstörer nach Drontheim zur Brennstoffergänzung entlassen. Während die beiden Schlachtkreuzer nach Norden zur Ölübernahme aus der Dithmarschen laufen, wird um 17.00 Uhr auf rund 50 km Entfernung eine Mastspitze gemeldet. Die Kampfgruppe dreht sofort auf sie zu. Es ist der 22 500 t große Flugzeugträger Glorious, hinter dem zwei Zerstörer entdeckt werden. Gneisenau und Scharnhorst drehen auf den Feindverband zu.

Die Scharnhorst steht in der breiten Dwarslinie der beiden Schiffe näher am Gegner. Sie eröffnet daher das Feuer. Die Gneisenau fällt bald mit ein und zieht mit Höchstfahrt an der Feuerleeseite der Scharnhorst vorbei. Der I. AO der Gneisenau beobachtet durch die Optik im Vormars deutlich, dass auf dem Träger nach und nach drei Flugzeuge aus dem Hallendeck mit dem Aufzug auf das Flugdeck hochgefahren werden, dort aber stehen bleiben. Da das Schiff hohe Fahrt vor dem Wind läuft, muss es gegen den Wind drehen, erst dann können die Flugzeuge gestartet werden. Das hieße aber, den deutschen Schiffen entgegenzulaufen. Schon bald hat sich der Träger eingenebelt, zudem behindern durch Treffer auf dem Träger entstandene Brände die Sicht und die Einschläge der Granaten der Gneisenau sind Zeitweise nicht zu erkennen. Dadurch können auch die Entfernungsmeßgeräte längere Zeit keine Werte bekommen, bis beobachtet werden kann, dass die Glorious erhebliche Fahrt verloren hat und zuletzt überschossen wurde. Die beiden Zerstörer erfüllen geschickt ihre Aufgabe, den Flugzeugträger zu schützen, indem sie große Nebelschleier vor den Träger legen und die Schlachtkreuzer mit Torpedos angreifen. Bald sinkt der erste Zerstörer, die 1350 t große Ardent, zehn Minuten später auch die Glorious mit fast der gesamten Besatzung.

Der zweite Zerstörer, die Acasta, fährt weiterhin Angriffe auf den Verband, bis sie schließlich auch sinkt. Die Scharnhorst erhält in diesem Gefecht einen Treffer achtern in Abt. III und IV. Er ist mit starken Personalverlusten und technischen Ausfällen verbunden, so dass das Schiff nur noch geringe Fahrt laufen kann, bis die ersten Reparaturen mit Bordmitteln durchgeführt werden können.

Am 09.06.1940 ergeht der Befehl von der Gruppe West mit beiden Schlachtkreuzern nach Drontheim zu gehen. Am 9. Juni kommen vier Zerstörer zum U-Bootgeleit heraus, dazu als weitere Sicherung einige "He 115" und "Me 109". Um 16.00 Uhr wird vor Drontheim geankert. Die Gneisenau ergänzt schnell die Munition aus dem Dampfer Alstertor.

Am folgenden Tag laufen die Gneisenau, Admiral Hipper und die vier Zerstörer erneut aus. Nachdem die Luftwaffe die Aufklärung einstellt hat und kein lohnenswertes Ziel in der Nähe steht, geht der Verband auf Ostkurs und steuert schließlich Drontheim wieder an.

11.06.1940: Ankern in Drontheim. Einige Zerstörer kommen längsseits, um Öl zu übernehmen. Zweimal Fliegeralarm. Beim ersten Alarm fliegen zwölf "Wellington" in 4000 bis 5000 m Höhe dicht zusammen an. Ihre Bomben verfehlen ihr Ziel, die Angreifer verlieren aber vier Maschinen durch deutsche Jäger.

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau