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Die Gneisenau - Operation Weserübung

07.04.1940 00.30 Uhr seeklar. Auslaufen mit der Scharnhorst; Auf See kommen der Schwere Kreuzer Admiral Hipper und 14 Zerstörer aus der Weser hinzu, jeder von ihnen mit 200 Mann Gebirgsjägern an Bord. Der Kommandant gibt durch Bordlautsprecheranlage bekannt, dass deutsche Truppen in verschiedenen norwegischen und dänischen Häfen am 9. April um 05.00 Uhr gelandet werden sollen. Unter dem Schutz der Scharnhorst und Gneisenau werden zehn Zerstörer unter Führung von Kommodore Bonte bis zum Vestfjord, südlich der Lofoten, und dann allein nach Narvik zur Durchführung ihrer Aufgabe gehen, während die Admiral Hipper, mit Konteradmiral Schmundt an Bord, und vier Zerstörer Drontheim besetzen.

Das Wetter ist zunächst gut, SW 4, Sicht 20.000 Meter. Nachmittags auffrischend und Sichtverschlechterung. Um 14.30 Uhr greifen zwölf englische Bomber an. Sie fliegen von Osten nach Westen, werfen mehrere Bomben, die aber nicht treffen.

Der Wind brist erheblich auf. Bei Stärke 8 dreht er nach Süden. Es ist sehr dunkel, Neumond. Der Verband steht um 22.00 Uhr westlich Bergen; Formation: die drei großen Schiffe, dahinter in Kiellinie die 14 Zerstörer. Am nächsten Morgen gegen 06.00 Uhr steht der Verband auf der Höhe von Drontheim, 30 sm von der Küste entfernt. Abends starker NW-Sturm mit Schnee und Regen. Um 21.00 Uhr wird der Führer der Zerstörer (FdZ) mit seinen Schiffen nach Narvik entlassen. Die beiden Schlachtkreuzer stehen nachts mit geringer Fahrt von der Küste ab mit generellem Nordkurs, um einzugreifen, falls notwendig.

Am 9. April, 05.00 Uhr, tritt die sogenannte "Weserzeit" in Kraft, zu der nach Plan die dazu abgeteilten Schiffe in die vorgesehenen Häfen einlaufen sollen: die Alarmglocke ertönt. Bb querab wird ein großes Kriegsschiff in der beginnenden Dämmerung festgestellt, das sich bald als der britische Schlachtkreuzer Renown erweist.

Um 05.05 Uhr war das Aufblitzen der ersten Salve des Gegners zu erkennen, die Gneisenau-Artillerie erwiderte das Feuer um 05.11 Uhr. Um 05.17 Uhr gab der Kommandant an den ersten Artillerie-Offizier oben im Vormars durch: "Ihr Feuer liegt gut. Gib ihm!"; Doch keine Antwort erfolgt. Es fällt kein Schuss. Kurz darauf eine Meldung: "Artillerieleitung aus Vormars ausgefallen!"

Durch einen Treffer in den unteren Teil des Vormarses haben Granatsplitter und herausgestanzte Eisenteile des Vormars-Aufbaus den 1. Artillerie-Offizier, Fregattenkapitän v. Buchka, und Leutnant (V) Fritzsche mit vier weiteren Männern getötet sowie zwei Mann schwer verwundet.

Gleichzeitig ist es im Vorderen Artillerieleitstand, von dem aus die Mittelartillerie, bei Bedarf aber auch die Schwere Artillerie geleitet wird, plötzlich dunkel geworden. Splitterteile haben beim Treffer durch den Vormars auch die Optiken des vorderen und des Bb-Zielgebers zerstört. Es bleibt nur übrig, die Seezielartillerie auf die Zielgeber des achteren Standes zu schalten, von wo der III. Artillerieoffizier, Korvettenkapitän Bredenbreuker, das Gefecht fortführt. Er kann allerdings nur wenige Salven mit dem Turm Cäsar schießen, da der Gegner langsam achteraus sackt. Die beiden vorderen Türme, bei dieser achteren Schußrichtung in Hartlage, können in das Gefecht daher nicht mehr eingreifen.

Der II. Artillerieoffizier, Korvettenkapitän Kähler, übernimmt nach dem Tode des Leitenden AO die Gesamtleitung der Artillerie. Eine erste Bestandsaufnahme ergibt:

1. Treffer: 38-cm-Geschoß durchschlägt den Vormarsmast unterhalb der Vormarsplattform; da sie glücklicherweise keinen empfindlichen Kopfzünder hat, detoniert die Granate erst nach Durchschlagen des Mastes auf dessen anderer Seite. Die Splitter töten sechs Mann im Vormars und verwunden zwei weitere, durchschlagen mehrere Artilleriekabel, beschädigen die Optiken zweier Zielgeber im Vorderen Artillerieleitstand und eine Reihe anderer, frei liegender Kabel.

2. Treffer: 11,4-cm-Geschoß detoniert am Turm Anton und zerstört die Bb-Haubentür des Entfernungsmeßgerätes, die dabei abgeschlagen wird, so dass Seewasser in den Turm eindringen kann.

3. Treffer durch ein 11,4-cm-Geschoß, das die Bb achtere Flak leicht beschädigt. Sie kann aber direkt weiter gerichtet werden.

Nach offizieller britischer Darstellung hat die Renown zwei schwere Treffer erhalten.

An Bord der Gneisenau ist man pausenlos beschäftigt, die Trefferschäden zu beseitigen, der Vormars ist am nächsten Abend mit allen drei Zielgebern wieder einsatzbereit.

Der Verband weicht weiter nach Norden aus, erreicht am 10. morgens etwa 70° N, 7° O. Am 12.04. erfolgt der Rückmarsch, bei Hellwerden stehen die Schiffe querab der Orkney-Inseln. Sie laufen weiterhin 26 kn. Vormittags ist ein englischer Fühlungshalter über den Schiffen, der den Verband sofort meldet, worauf, wie durch B-Dienst zu erfahren, vier Staffeln Bomber starten und angreifen sollen, die Schiffe aber nicht finden. Mittags taucht die Admiral Hipper aus dem Nebel auf und schließt sich an, hat aber Schwierigkeit wegen der Brennstofflage die Geschwindigkeit zu halten. Abends Einlaufen Jade.

Die Gefallenen vom 9. April werden am 21.04.1940 auf dem Ehrenfriedhof in Wilhelmshaven beigesetzt.

Die Gneisenau geht zu kurzer Dockzeit nach Bremerhaven in das große "Kaiserdock II" und verlegt danach zurück nach Wilhelmshaven.

Quelle: nach Wolfgang Kähler: Schlachtschiff Gneisenau