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Die Tirpitz - Operation Catechism

Kurz nach Mitternacht des 12. November 1944 starteten 29 Lancaster der 9. und 617. Staffel von Lossiemouth, um ihren dritten Angriff durchzuführen. Der Anflug wurde in keiner geschlossenen Formation gemacht. Die Flugzeuge flogen einzeln in Norwegen ein, indem sie Tromsö von Süden anflogen und wobei sie deutlich den Vorteil in Anspruch nahmen, die bekannten Radarstationen und deren Ortungsbereich zu umgehen.

Die erste Maschine wurde der Tirpitz etwa um 08:00 Uhr gemeldet. Sie hatte um 07:38 Uhr die Küste nahe Mosjoen überflogen. Die Meldung traf um 08:15 Uhr ein und der Luftlageoffizier informierte die Luftwaffe in Bardufoss, denn ein Angriff war wahrscheinlich. Aber der Kommandeur der dortigen Luftwaffeneinheit gab keine Starterlaubnis. Die Bomber trafen sich im Südosten von Tromsö, zwischen 08:30 und 08:45 Uhr. Sie wurden vom Radar der Tirpitz erfaßt, als sie in kleinen Gruppen anflogen. Die Höhe lag zwischen 3270 m und 5000 m. Der erste Kontakt war um 09:05 Uhr, als die ,Lancasters` immer noch 75 Meilen Abstand hatten. Das Schiff hatte seit 09:00 Uhr Gefechtszustand, aber der angeforderte Jagdschutz blieb bis 09:15 Uhr ohne Antwort. Dann meldete Bardufoss, daß keine Starts erfolgen könnten, da Lancasters den Platz überflögen. Zehn Minuten später meldete Bardufoss, daß ein Jäger gestartet sei und daß weitere folgen würden. Kein Jagdflugzeug wurde je gesehen. Um 09:27 Uhr wurde die erste Bombergruppe etwa 25 Meilen in Südost gesichtet. Kein Nebelgenerator an Bord des Schiffes war in Betrieb und die Landanlagen waren nicht so wirksam, als sie es im Falle des Kaafjord gewesen waren. Sie reichten nicht aus, der Tirpitz den notwendigen Schutz zu geben.

Die Türme A und B der 38 cm-Artillerie eröffneten um 09:38 Uhr das Feuer auf die in 13,5 Meilen anfliegenden ,Lancaster`. Die 15 cm- und 10,5 cmGeschütze fielen bei einer Entfernung von 9,5 Meilen in das Abwehrfeuer ein. Das beeinträchtigte jedoch nicht den Anflug, und die sich immer mehr zusammenschließende Formation kam ihrem Ziel näher.

Die erste von Wing Commander Tait geführte Gruppe Lancasters löste um 09:41 Uhr ihre Bomben und erzielte zwei direkte Treffer, einen Bb von Turm B und den anderen mittschiffs an der BbSeite. Letztere passierte den Katapultunterbau und detonierte über dem Bb-Kesselraum, als sie durch das Panzerdeck drang. Die Wirkung des Treffers neben dem Turm ist nicht genau bekannt, aber die andere Bombe rief ein Loch in der Außenhaut hervor, das vom Schlingerkiel bis zum Oberdeck reichte. Es hatte eine Länge von 14 m und betraf auch das Torpedoschott und die Panzerung. Kesselraum Bb 1, Kesselraum Mitte, Turbinenraum Bb wurden überflutet und riefen eine Schlagseite von 15° bis 20° Bb hervor. Ein Nahtreffer im Bereich der Back erweiterte die dortigen Schäden zwar, war in diesem Falle aber unerheblich. Während der folgenden drei Minuten traf eine dritte 5454 kg-Bombe die Bb-Seite seitlich des 15 cm-Turms Bb III. Ein anderer Nahtreffer fiel neben dem 15 cm-Turm Bb 11 ins Wasser. Die letztere Bombe schlug den Kesselraum Bb 2 leck, das Magazin und die Munitionskammer der 15 cm Bb 11. Ein weiterer Treffer schlug das Magazin und die Munitionskammer der 15 cm Bb III, den Kreiselkompaßraum und einen Lüfterraum leck. Nun waren 67 m der Bb-Mittschiffssektion der Tirpitz geflutet, und zwar vom Doppelboden bis zur Wasserlinie, die zu diesem Zeitpunkt bereits die Oberkante des Oberdecks bildete, als sich das Schiff auf 40° legte.

Gegen 09:45 Uhr, als das Schiff diese Krängung einnahm, befahl der Kommandant KptzS Junge, die unteren Decks zu räumen. Obgleich es auch bei der schweren Flak zu umfangreichen Personalverlusten gekommen war und trotz der großen Schäden schossen die Stb-Türme und -geschütze immer noch, desgleichen die automatischen Waffen. Aber die ,Lancaster` befanden sich außerhalb der Reichweite. Die Schlagseite nahm immer mehr zu und hatte um 09:50 Uhr etwa 70° erreicht. Durch den Nahtreffer am 15 cm-Turm Bb III war auch ein Brand entstanden, der das Magazin des Turms C erreichte, und um 0950 Uhr gab es eine gewaltige Explosion, als dieser Turm in die Luft flog. Zwei Minuten später kenterte die Tirpitz endgültig und legte sich auf den Grund, der Winkel betrug 135°.

Wenn das Wasser so flach gewesen wäre, wie es vorgesehen gewesen war, wäre ihr Absinken gestoppt worden, die Bewaffnung, die intakt geblieben war, hätte weiter benutzt werden können. Die Unmenge Rauch und Dampf, erzeugt von den ersten Treffern, machte das Ziel für die letzten Bombergruppen klar sichtbar. Aber mehr als die Hälfte der Bomben fiel bis zu 228 m von der Tirpitz entfernt nieder. Dazu gehörte auch eine, die auf die Insel Haakoy fiel. Keine Lancaster ging verloren.

Die Verluste auf der Tirpitz waren groß. Trotz des Kommandantenbefehls, die unteren Decks zu räumen, war es vielen Soldaten nicht mehr möglich gewesen, das Oberdeck zu erreichen, noch bevor es - sieben Minuten später - kenterte. Einschließlich derer, die durch die explodierenden Bomben umkamen, waren es 871 Tote. Viele wurden im Schiff eingeschlossen, aber 87 von ihnen wurden durch Arbeitsgruppen gerettet, die Löcher in die Panzerplatten und den Doppelboden an der herausragenden Stb-Seite des Schiffes schnitten. Es gab viele Kommissionen und Untersuchungen, um die Ursache des Kenterns und der großen Menschenverluste zu finden, und auch für das Fehlen des Jagdschutzes.

13 Luftangriffe waren zwischen Januar 1942 und November 1944 auf das Schlachtschiff geflogen worden. 600 britische Flugzeuge - annähernd 300 der Marine und 200 der RAF - sowie unzählige Aufklärer hatten ihre verschiedenen Liegeplätze überflogen. Dieses eine Schlachtschiff hatte seit Januar 1942 die Einsätze der Home Fleet wesentlich beeinflußt, einfach dadurch, daß es immer in den norwegischen Fjorden bereit lag. Auf Grund weit übersteigerter Vorstellungen über die Möglichkeiten eines Einsatzes war die Royal Navy gezwungen, überlegene Kräfte in den Heimatgewässern zu stationieren. Sie war sogar gezwungen, die USA um Unterstützung zu bitten (Schlachtschiffe und Flugzeugträger - Wasp und Ranger, 1942 bis 1944, sowie auch Kreuzer), und alles nur für den Fall, daß die Tirpitz zu einem offensiven Einsatz kam.