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Die Tirpitz - Operationen "Mascot" und "Goodwood"

Am 17. Juni starteten drei Flugzeugträger einen einzelnen Angriff (Operation Mascot), der von 21 Barracudas der Formidable und 23 Barracudas der Indefatigable durchgeführt wurde. Die Höhensicherung übernahmen 18 Corsairs, die Flakbekämpfung 12 Fireflies und 20 Hellcats.

Alle, bis auf zwei Barracudas, waren mit 725,7 kg-Bomben ausgerüstet, die anderen Flugzeuge führten je drei 226,8 kg mittlere Sprengbomben mit. Dieser Angriffsverband verließ die Kampfgruppe um 01:35 Uhr und näherte sich der Küste der Loppainsel bis auf 10 Meilen. Dann stiegen sie auf 2750 m Höhe. Während des Anfluges war keine Wolke zu sehen, aber bei Erreichen des Einsatzgebietes - 10 Meilen Südwest der Tirpitz - wurde festgestellt, daß über dem Altafjord eine ziemliche Wolkendecke lag und über dem Kaafjord eine etwa 300 m hohe und dichte Nebelwand stand.

Seit April hatte die deutsche Marine ihre Radarwarnstationen verbessert, außerdem aber auch die BÜ-Einrichtungen in diesem Raum. Die Nebelanlagen waren verstärkt worden. Immerhin wurde der anfliegende Verband erst in einer Entfernung von 43 Meilen geortet. Das war um 02:00 Uhr, und bis die Meldung die Tirpitz erreicht hatte, waren weitere 4 Minuten verflossen. Die Nebelgeneratoren an Land und auf dem Oberdeck der Tirpitz wurden um 02:13 Uhr in Betrieb genommen, und innerhalb einer Minute war die Nebelwand dick und breitete sich schnell aus. Die 38 cm-Geschütze eröffneten um 02:19 Uhr das Feuer, unmittelbar danach fielen die 15 cm- und 10,5 cm-Geschütze ein. Sie legten in der direkten Richtung des Anfluges ein Sperrfeuer. Das Resultat des dichten Nebels war, daß nur zwei Jäger und zwei Barracudas des 9. Geschwaders die Tirpitz wirklich sahen, die übrigen 37 Flugzeuge warfen in den folgenden 25 Minuten ihre Bomben einzeln ab, indem sie sich am Mündungsfeuer der Flak orientierten. Sieben Nahtreffer stellte man auf dem Schlachtschiff fest, das sich heftig schüttelte. Eine Barracuda bombardierte Flakbatterien an Land, eine andere warf ihre 226,8 kg-Bomben auf einen Zerstörer im Langfjord und eine dritte verfehlte den Tanker Nordmark mit ihrer 725,7 kg-Bombe. Die Jäger beschossen Flakstellungen entlang des Altafjords und versenkten Vp 6307 (510 ts). Das Flakfeuer während des 33 Minuten währenden Angriffs war intensiv. Tirpitz alleine verschoß 39 Schuß 38 cm, 359 Schuß 15 cm, 1973 Schuß 10,5 cm, 3967 Schuß 37 mm und nicht weniger als 28 550 Schuß aus ihren jetzt achtzig 20 mm-Rohren.

Viele Barracudas wurden beschädigt; eine mußte neben der Formidable notlanden. Der einzige Verlust am Ziel war eine Corsair. Es war vorgesehen, den Angriff mit einer 2. Welle zu wiederholen, die um 08:00 Uhr starten sollte. Aber dieser Angriff wurde abgeblasen, weil sich im Landegebiet Nebel bildete.

Obgleich bekannt war, daß auf der Tirpitz während dieses Angriffs, der Operation ,Mascot`, kein Treffer erzielt worden war, blieb sie die nächsten fünf Wochen unbehelligt. Mit der Wiederaufnahme der Rußlandgeleite im Herbst wurde allerdings beschlossen, einen weiteren Hauptangriff durchzuführen (Operation Goodwood I-IV). In diesem Falle sollten die Angriffe solange fortgesetzt werden, bis entsprechende Schäden erzielt worden waren. Formidable, Furious und Indefatigable verließen Scapa Flow am 18. August 1944. Begleitet waren sie von den Geleitträgern Trumpeter und Nabob sowie einer starken Sicherung, zu der auch die Duke of York und drei Schwere Kreuzer gehörten. Die Angriffsstaffeln waren wieder ausgetauscht worden. Indefatigable gab ihre 826. Staffel an Formidable ab, damit sie mit der 828. Staffel zusammenkam. Furious erhielt ihre eigenen Flugzeuge des 8. TBR-Geschwaders zurück. Zuvor hatte sie die Hellcats an Indefatigable abgegeben. Die Hellcat-Staffeln und die Corsairs des 6. Kampfgeschwaders (1841. und 1842. Staffel) der Formidable hatten in der Zwischenzeit eine Sturzkampfbomberausbildung erhalten. Die beiden Geleitträger hatten je ein Dutzend Grumman TBF1 C Avenger 11 S und eine Staffel FM 1 Wildcats an Bord. Es wurde beschlossen, daß die Avengers in der Ausfahrt des Altafjordes - zur See hin - systematisch Minen werfen sollten.

Der erste Angriff startete am 21. August, um den Kurs des Geleitzuges JW 59 hinter der Bäreninsel zu sichern, aber schlechtes Wetter im Zielgebiet verschob den Start um 24 Stunden. Am 22. August um 11:50 Uhr starteten 32 Barracudas, 24 Corsairs, 11 Fireflies, 9 Hellcat-Jagdbomber und 8 Seafires des 24. Kampfgeschwaders der Indefatigable. Nach Überfliegen der Küste zwangen dichte Wolken in 450 m Höhe die Barracudas und Corsairs zur Umkehr. Die Seafires setzten den Flug fort und griffen den Flugplatz von Banak und den Seefliegerhorst in Kolvick an. Beide wurden beschädigt. Die Fireflies und Hellcats machten einen "Scheinangriff" auf Tirpitz, wobei sie direkt unter den Wolken flogen und einer Straße über die Berge des Kaafjordes folgten. Tirpitz war vor dem Angriff kaum gewarnt worden und der Nebelschleier noch recht unvollständig, als die Fireflies um 12:49 Uhr anfingen, die Flak zu bekämpfen. Das war zwei Minuten vor dem Angriff der Hellcats. Jede warf eine mittlere Sprengbombe von 226,8 kg. Auf dem Schlachtschiff wurde kein Treffer erzielt. Dafür wurden aber eine Reihe kleiner Fahrzeuge schwer getroffen, eingeschlossen das im Hammerfest liegende Uboot U 965.

Der Seefliegerhorst in Butka wurde ebenfalls beschossen und zwei der Ar 196A der Tirpitz, dort zur Überholung liegend, wurden im Wasser zerstört. Die Minenlegeoperation wurde wegen der niedrigen Wolkendecke im Altafjord widerrufen und anschließend ganz aufgegeben, als erst Nabob und dann die Fregatte Bickerton von dem Uboot U 354 torpediert wurden gegen Ende des Nachmittags. Die Fregatte wurde versenkt, aber Nabob gelang es nach Scapa Flow zurückzukehren, obgleich sie achtern stark beschädigt worden war. Um 18:30 Uhr startete Indefatigable nochmals sechs Hellcat-Jagdbomber und acht Fireflies für einen neuen Störangriff. Als um etwa 19:10 Uhr der Langfjord erreicht wurde, geschah das völlig überraschend, und erst als die Fireflies angriffen und anfingen die Flak zu beschießen, setzten die Nebelgeneratoren ein. Die Hellcats erzielten mehrere Nahwürfe, aber keinen Treffer auf der Tirpitz. Auf dem Rückflug wurden von den Jägern Schiffe und Radarstationen beschossen, wobei die Tanker Jeverland und Nordmark sowie der Versorger Neumark beschädigt wurden, am Ausgang des Altafjordes auch das Vp 6504. Beim ersten Angriff waren eine Hellcat und eine Seafire (bei Banak) abgeschossen worden, der zweite Angriff forderte keine Opfer. Die Tirpitz hatte 75 Schuß 38 cm, 487 Schuß 15 cm, etwa 2000 Schuß 10,5 cm, 4000 Schuß 37 mm und 30000 Schuß 20 mm verschossen. Ein Soldat war gefallen, zehn weitere durch den Bordwaffenbeschuß der Jäger verwundet worden.

Am Abend des 22. August zogen sich die Geleitträger unter dem Schutz von Formidable und Furious zurück, letzterer benötigte dringend Brennstoff für die Fortsetzung der Operation. Indefatigable sollte am 23. August einen Angriff außer der Reihe starten, und zwar auf die Tanker und Zerstörer im Langfjord. Wieder machte die Wetterlage einen Strich durch die Rechnung. Formidable und Furious kehrten am 24. August zurück, und etwa um 15:00 Uhr hatten alle drei Träger 33 Barracudas (alle mit 725,7 kg-Bomben), 24 Corsairs (fünf mit 453,6 kg-Panzersprengbomben), zehn Hellcat-Jagdbomber, zehn Fireflies und acht Seafires in der Luft. Die letzteren griffen erneut Banak an. Die Startposition lag weiter südlich als üblich und die Angriffsgruppe flog entlang der Küste, um den Kaafjord von Süden anzufliegen. Um 15:35 Uhr erfaßte die deutsche Radarortung den Verband, der noch 63 Meilen im Süden stand. Sechs Minuten später wurde auf Tirpitz Alarm ausgelöst. Die Tirpitz war somit gut vorbereitet und der Nebelschleier etwa um 16:00 Uhr gelegt, als die Hellcats und Fireflies angriffen - fünf Minuten vor den Barracudas und Corsairs. Bei diesem Angriff erzielten die Hellcats ihren ersten Treffer. Eine 226,8 kgHalbsprengbombe detonierte auf der Decke des Turms B und zerstörte die dortige 20 mm-Vierlingsflak. Der Erfolg kostete die Staffel zwei Flugzeuge.

Während die von den Corsairs unterstützten Barracudas die Tirpitz angriffen, war diese völlig in Nebel gehüllt. Das zwang die Bomber, ihre Bomben blind zu werfen. Das Ergebnis war, daß sie aus Höhen von 1219 m bis 1524 m fielen. Eine 725,7 kgBombe traf Tirpitz unmittelbar an der Bb-Seite der Brücke. Wegen der großen Abwurfhöhe durchschlug sie fünf Decks (mit einer Gesamtdicke von 15 cm). Dann blieb sie im Plattformdeck, in der Schaltstelle 4, liegen und detonierte nicht. Deutsche Untersuchungen der Bombe und ihres Zünders ergaben, daß letzterer nicht funktioniert hatte. Man stellte ferner fest, daß die Bombe selbst nicht voll war, es fehlten 97,5 kg Sprengstoff. Eine Corsair wurde im Kaafjord abgeschossen, eine schaffte den Rückflug nicht. Die Tirpitz hatte bei diesem Angriff einen Munitionsverbrauch von 72 Schuß 38 cm, 510 Schuß 15 cm und 40% der gesamten Flakmunition. Acht Soldaten waren gefallen, 13 verwundet. Die Jagdflugzeuge beschädigten zwei Vorpostenboote, Vp 6502 und Vp 6510, sowie einen Minensucher und die Radarstationen auf der Insel Loppa. Eine der Tirpitz geltenden Bomben fiel an Land und traf ein Marineflak-Munitionslager, das explodierte. Eine weitere zerstörte drei Geschütze einer Flakbatterie. Das letzte Bordflugzeug Ar 196A des Schlachtschiffes wurde in der Reparaturwerft von Butka zerstört.

Am selben Abend gegen 19:30 Uhr erkundeten einige Fireflies den Kaafjord und machten Aufnahmen von den Schäden. Das veranlaßte die Verteidiger, einen Nebelschleier und Flaksperrfeuer zu legen. Furious wurde zurückbeordert und hinterließ einige ihrer Barracudas und Seafires, um die Verluste auf der Indefatigable auszugleichen. Formidable und Indefatigable wurden in den folgenden Tagen wegen Nebel und Sturm von weiteren Angriffen abgehalten. Das dauerte bis zum 29. August. Auch für diesen Tag war die Wettervorhersage schlecht, aber um 15:30 Uhr wurde ein neuer Angriff gestartet. Die Gruppe bestand aus 26 Barracudas, 17 Corsairs (zwei mit 543,6 kg-Bomben), zehn Fireflies, sieben Hellcats und vier Wildcats (diese wieder für separate Angriffe). Vier Hellcats trugen 226,8 kg-Zielmarkierungsbomben. Mit diesen sollte die Position der Tirpitz markiert werden, bevor sich der Nebelschleier voll ausgebreitet hatte, damit die Barracudas genauere Zielpunkte hatten. Die deutschen Radarstationen auf den äußeren Inseln hatten den ganzen Tag über das Starten der Flugzeuge - es waren Uboot-Sicherungsflugzeuge und Jägerpatrouillen - erfaßt. Um 16:40 Uhr wurde eine kleine Flugzeuggruppe 54 Meilen vor dem Kaafjord geortet - wahrscheinlich die Seafires, die einen Angriff auf Hammerfest durchführen sollten - , und schlugen Alarm. Der Hauptangriff begann erst 45 Minuten später, weil die Wettervorhersage für das Gebiet zwischen der Tirpitz und den Trägern falsch gewesen war, außerdem überflog die Angriffsgruppe die Küste zu weit im Süden und mußte einen großen Bogen machen (um nicht vorhandene Wolken herum), um das Ziel zu erreichen. Der Nebelschleier war der dichteste, den die Flugzeuge der Royal Navy, einschließlich der Pfadfinder-Hellcats, die ihre Bomben blind warfen, je erlebt hatten. Zahlreiche Nahtreffer schüttelten die Tirpitz, und sechs Mann wurden durch Splitter und Verbrennungen verletzt. Der Munitionsaufzug einer 10,5 cmFlak wurde durch ein Bombensplitter zerstört. Landziele wurden ebenfalls gebombt, ein Ölvorratstank mit 350 ts Öl wurde getroffen und brannte aus. Die Jäger beschossen verschiedenen Fahrzeuge, größere Schäden wurden jedoch nicht erzielt. Eine Firefly und eine Corsair wurden von Tirpitz abgeschossen, die 54 Schuß 38 cm, 161 Schuß 15 cm und 20% der leichten Kaliber verschoß.

Für den CinC der Home Fleet stand fest, daß Tirpitz trotz des Abwurfes von 52 Tonnen Bomben in 95 Angriffen und 73 begleitenden Geleit- und Unterstützungsangriffen nicht kampfunfähig geworden war. Die Träger hatten acht Flugzeuge bei den Angriffen auf das Schlachtschiff verloren. Im Hinblick auf das allerdings geringe Risiko, daß die Tirpitz angreifen könnte, drehten Formidable und Duke of York nach Norden ab, um den Weg des Geleitzuges RA 59A, der am 28. August die Kolabucht verlassen hatte, zu decken. Während der ganzen Angriffsserie der Trägerflugzeuge hatte die Tirpitz keinen Jagdschutz erhalten.