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Die Tirpitz - Operation Tungsten

Ab Anfang 1944 war die Kampfkraft der Marineflieger der Royal Navy unvergleichlich stärker als 1942. Neue Flugzeugträger und Flugzeuge waren seit 1943 in den Dienst gekommen, so daß für die Operation ,Tungsten`, den geplanten Angriff auf die Tirpitz, zwei schnelle Flugzeugträger (Victorious und Furious), drei mit Jägern ausgerüstete Geleitträger (Emperor, Pursuer, Searcher) und ein Geleitträger (Fencer) für den Ubootschutz und Jagdschutz zur Verfügung standen. Zusammen führten diese mit sich: 42 Fairey Barracudas als Sturzkampfbomber, 28 Vought F4U-1 B Corsairs, 20 Grumman F6F-3 Hellcats und 40 Grumman FM-1 Wildcats, alle als Geleitjäger, sowie 14 Submarine Seafires und 8 Grumman F 4 F-4 B Wildcats als Jagdschutz. Außerdem gehörten auch ein Dutzend Swordfish A/S-Flugzeuge dazu. Die Einsatzplanungen liefen Ende 1943 unter der Leitung des 2. Befehlshabers der Home Fleet, VAdm Sir Henry Moore, an. Sein Stabschef war Captain Mackintosh, vormals Kommandant der Träger Eagle und Victorious.

Für den Anflug auf mögliche Ziele wurden unterschiedliche Methoden ausgearbeitet. Desgleichen wurden auch die verschiedenen Angriffstaktiken und die Zusammenstellung der Angriffsmittel sorgfältig untersucht. Durch die Verwendung eines realistischen und nahezu naturgetreuen Modells im Loch Eriboll war es möglich, eine wirklichkeitsnahe Ausbildung zu betreiben. Das Modell besaß auch eine mit Bojen gekennzeichnete Fläche, die dem Liegeplatz der Tirpitz entsprach, Attrappen von Flakstellungen und Nebelanlagen wurden ebenfalls aufgestellt. Als die Planungen ihren Anfang nahmen, befand sich Victorious in der Werft. Die beiden Staffeln (829. und 831.) des 52. TBR-Geschwaders hatten noch nicht mit der Verbandsausbildung begonnen, und obgleich eine der beiden Jagdstaffeln im Dezember aus den USA eintraf, erreichte die zweite Staffel Großbritannien erst Mitte Januar 1944. Darüber hinaus war die neue Bombe, eine amerikanische 725,5 kg-Panzersprengbombe, noch nicht einsatzklar. Man hoffte, diese würde in der Lage sein, die Tirpitz zu beschädigen. Erst ab Dezember 1943 war es soweit, daß sie von den Barracudas mitgeführt werden konnte, und das auch nur von entsprechend verstärkten Flugzeugen. Von den anderen Trägern waren nur Searcher und Emperor noch nicht im Einsatz gewesen, und Furious hatte mit ihrer 827. und 830. Staffel bis zum 11. Februar 1944 noch keines ihrer Flugzeuge verloren.

Tungsten war eigentlich für die Zeit zwischen dem 7. und 16. März geplant, also noch bevor die Reparaturen der Tirpitz abgeschlossen waren. Aber die Werftliegezeit der Victorious war zu dieser Zeit noch nicht beendet. Die Operation wurde um 14 Tage verschoben. Diese Verschiebung war sehr vorteilhaft, weil sie die Gelegenheit bot, für die TBR- und Jagdstaffeln eine zusätzliche Ausbildung durchzuführen. Der Höhepunkt war dann eine Art Generalprobe des Angriffs, die am 28. März in Loch Eriboll stattfand.

Furious und Victorious tauschten ihre 827. und 831. Staffel aus. Damit war sichergestellt, daß jede der beiden Angriffswellen eine TBR-Staffel hatte. Zusätzlich konnte Victorious jederzeit 12 Barracudas starten und Furious weitere neun. Der Jagdschutz, vorgesehen für den Luftschirm in mittlerer Höhe, bestand aus einem Dutzend Corsairs, Zehn Wildcats waren für das Beschießen schwerer Flakbatterien und 20 Wildcats für die Niederkämpfung der automatischen Flak und die Feuerleitanlagen der Tirpitz vorgesehen. Jede Welle wurde von 42 Jägern begleitet.

Die ,Tungsten'-Kampfgruppe fuhr in zwei Kolonnen. Kampfgruppe 1 verließ Scapa Flow am Vormittag des 30. März, bestehend aus Victorious, Duke of York, Anson, einem Leichten Kreuzer und fünf Zerstörern. Die Aufgabe dieses Verbandes war, bis zum 1. April eine Ferndeckung für den in Richtung Rußland fahrenden Geleitzug JW 58, der seit dem 27. März unterwegs war, zu bilden. Kampfgruppe 2, Furious, Searcher, Pursuer, Emperor, Fencer, drei Leichte Kreuzer, zwei Tanker und fünf, später zehn Zerstörer, lief später, am 30. März aus. Die Führung hatte KAdm A. W. La Touche Bisset, Kommandierender Admiral der Geleitträger. Beide Verbände sollten sich ursprünglich am 3. April treffen, um dann am folgenden Tag in der Dämmerung einen Angriff zu fliegen. Aber das gute Wetter und die geschickte Durchführung der Sicherungsaufgaben am JW 58, an der auch zwei weitere Geleitträger beteiligt waren, veranlaßten den CinC Home Fleet, Adm Sir Bruce Fraser, das Unternehmen um 24 Stunden vorzuziehen. Zur gleichen Zeit waren die See-Erprobungen der Tirpitz für den 1. April vorgesehen, wurden aber wegen der Schlechtwetterlage um 48 Stunden verschoben.

Die Kampfgruppen 1 und 2 stießen im Laufe des Nachmittags des 2. April, etwa 260 Meilen Nordwest des Altafjords, aufeinander. Der CinC auf Duke of York nahm mit zwei Zerstörern eine Sicherungsstellung nordwestlich der Bäreninsel ein. Die Tanker und zwei Zerstörer bezogen eine Warteposition etwa 300 Meilen nordwestlich des Nordkaps, VAdm Moore ging mit dem Rest der Flotte auf Angriffsposition, die 120 Meilen vor dem Kaafjord lag. Dieser Punkt wurde am 3. April um 04:15 Uhr erreicht. Während der ganzen Nacht standen Flugzeuge auf den Flugdecks der Träger und ließen ihre Motoren warmlaufen. Anschließend wurden sie gegen solche ausgetauscht, die in den Hangars standen und während des eisigen Nordkurses dort die Wärme genossen hatten.

Als die erste Angriffswelle um 04:05 Uhr startete, fiel keine Maschine beim Start aus und alle 61 Flugzeuge hoben sicher ab. Die 21 Barracudas der TBR-Staffel, unter Führung von Lieutenant-Commander R. Baker Faulkner, trugen sieben 725,7 kg-Panzersprengbomben und zwölf 226,8 kg-Halbsprengbomben zum Durchschlagen des 50 mm-Wetterdeckpanzers. Außerdem führten sie zwölf 226,8 kg-Bomben mittlerer Sprengkraft und vier 272,6 kg Ubootbomben für Oberwasser- und Unterwasserdruckwirkung mit sich. Je drei 226,8 kg-Bomben wurden von 12 Barracudas getragen, aber die übrigen konnten nur jeweils zwei 272,6 kg-Bomben mit sich führen. Die Angriffsformation nahm eine mittlere Höhe ein und ging um 04:37 Uhr auf Kurs. Dabei flog sie dicht über der Wasseroberfläche, um so einer möglichen Radarortung zu entgehen. Erst etwa 25 Meilen vor der norwegischen Küste kletterten die Flugzeuge auf 3000 m und überflogen die Küste um 05:08 Uhr, 37 Meilen nördlich der Tirpitz. Drei Minuten zuvor hatte die deutsche Radarortung 32 und mehr Flugzeuge erfaßt. Aber der Alarm erreichte die Luftabwehrleitstelle des Schlachtschiffes erst vier Minuten später, um 05:28 Uhr.

Die Tirpitz hatte gerade ihren Bb-Anker eingeholt und legte über das Heck ab, die Stb-Ankerkette war noch steif. Da kam die erste Warnung. Die schwere Flak war besetzt, aber es dauerte noch eine gewisse Zeit, bis alle Leckabwehrvorbereitungen abgeschlossen waren (Herstellen Gefechtsverschlußzustand), so daß noch etwa 10% der wasserdichten Türen offen waren. Die Barracudas, Hellcats und Wildcats versuchten - so gut es ging - aus möglichst vielen Richtungen anzugreifen, um so die Abwehr des Schiffes zu zersplittern. Dazu waren allerdings die Barracudas eher in der Lage als die Jäger, denn sie waren dazu ausersehen, das Schiff in der Längsrichtung anzugreifen, um ein Maximum an Treffern zu erzielen, und bei einem Sturzflug von 40° bis 70° aus 2438 m Höhe waren sie nur für die Dauer des Anflugs im Visier. Die Jäger folgten dem bergigen Gelände und nahmen den 29,26 m hohen Vormars der Tirpitz wahr, als sie die Kuppe des Kaafjordes überflogen. Während die 800. Hellcat-Staffel die schwere Flak angriff, nahmen die Wildcats der 881. und 882. Staffel die Feuerleitstände der Flak unter Beschuß und setzten diese außer Gefecht. Dabei wurden erhebliche Personalverluste hervorgerufen, auch bei den Geschützbedienungen, ebenso Schäden an den Geschützen selbst, erzielt mit 12,7 mm-Panzersprenggeschossen. Obgleich die Nebelanlagen an den Fjordufern in Tätigkeit traten, als der Luftalarm ausgelöst wurde, verhinderte die kurzfristige Alarmierung eine Vernebelung, die den Angriff der Bomber und Jäger wesentlich behindert hätte. Die Barracudas wurden auf eine Entfernung von 3 Meilen unter Feuer genommen, als sie zum Sturzflug ansetzten. Aber die Feuerleitgeräte der 10,5 cm-Flak waren außer Gefecht gesetzt, auch die automatische Flak war nicht mehr voll einsatzklar, seit die ersten Flugzeuge um 05:30 Uhr ihre Bomben abgeworfen hatten. Unglücklicherweise hatten alle ihre Bomben aus einer Höhe von 900 m und darunter gelöst, so daß die Bomben nicht die Geschwindigkeit erreichten, die sie benötigten, um eine Panzerung zu durchschlagen.

Immerhin erzielten die abgeworfenen 725,7 kg-Bomben drei Treffer, auch alle fünf 226,8 kg-Bomben trafen. Eine 272 kg-Bombe detonierte in der Luft, nachdem sie den Schornstein durchschlagen hatte. Eine 272 kg-Bombe detonierte im Wasser und verursachte ein Fluten der Stb-Außenabteilungen in Höhe des achteren Kesselraumes. Alle Treffer, und auch einer der nachfolgenden, lagen zwischen den Türmen B und C. Ausnahme war eine 226,8 kgBombe, die das 5 cm gepanzerte Achterdeck seitlich vom Turm D durchschlug, sie zerbrach an der Böschung des 12 cm-Panzerdecks, wodurch ein Brand in den Unterkünften entstand. Weitere 226,8 kg-Bomben vermochten die 2 cm-Panzerung nicht zu durchdringen, und nur eine 725,7 kg-Bombe schlug bis zum Panzerdeck über dem Bb-Turbinenraum durch. Sie hatte aber zu wenig Auftreffgeschwindigkeit, um mehr als eine Beule in der Panzerung zu verursachen - sie war aus einer Höhe von etwa 610 m abgeworfen worden. Allerdings rief diese Bombe ernsthafte Schäden hervor, einmal durch den Detonationsdruck und dann durch den anschließend entstandenen Brand, der noch genährt wurde durch zerborstene Leitungen des Flugbenzinversorgungssystems.

Eine 226,8 kg-Bombe mittlerer Sprengkraft durchschlug ein Beiboot nahe am Fuße des Großmastes, drang durch den Bb-Hangar und detonierte auf dem 2 cm-Panzerdeck in der Offiziersmesse, was einen weiteren Großbrand verursachte. Etwas weiter voraus beschädigte eine detonierende 272 kg-Ubootbekämpfungsbombe die Bb-Seite des Schornsteins und sechs von 12 Niedergängen dort, drückte das Dach des Bb-Hangars, der ja schon beschädigt worden war, ein und verursachte einen weiteren Brand. Eine andere 725,7 kg-Bombe durchschlug die Decke des 15 cm-Turms Stb 1 und detonierte in den Wohnräumen der Leutnante, unterhalb des Schornsteins. Das verursachte ebenfalls einen Brand.

Während dieses ersten Angriffs streifte der dritte 725,7 kg-Bombentreffer das Panzerdeck und traf den unteren 14,5 cm-Gürtelpanzer unter der Wasserlinie, detonierte aber außerhalb des Torpedoschotts, das auf eine Länge von über 4,6 m nach innen gedrückt wurde. Die Außenabteilungen wurden geflutet, und in der Bordwand befand sich ein Loch von etwa 0,914 m x 47,5 cm. Die 272 kg-Ubootbekämpfungsbombe, die etwa 3 m neben der Stb-Seite der Tirpitz detonierte, verursachte jedoch wesentlich größere Schäden als der direkte Unterwassertreffer. Unter Wasser in 9,1 m Tiefe detonierend - unterhalb des Gürtelpanzers - drückte sie die Außenhaut auf eine Länge von 15,24 m und eine Breite von 4,9 m um 0,914 m ein. Das rief erhebliche Schäden an der Stb-Kielplatte und im Spantsystem hervor. Die Außenhaut riß an den Schweißnähten auf eine Länge von 15,24 m und die Druckwelle verschob eine Seewassereintrittsleitung, außerdem rief sie weitere Schäden an der Innenkante unter dem Kesselraum hervor.

Nur eine Barracuda ging bei diesem Angriff verloren. Der ganze Bombenangriff hatte eine Minute gedauert. Tirpitz lag quer zum Fjord, den Bug dicht am westlichen Ufer. Sie war eingehüllt in dichten Rauch und ohne sichtbare Schlepperhilfe. Die Maschinen waren intakt, aber die Funkanlagen und der Ruderlagenzeiger waren ausgefallen. Durch das Fluten der äußeren Abteilungen hatte das Schiff eine leichte Schlagseite. Da es in diesem Zustand unmöglich war, die See-Erprobungen durchzuführen, wurde entschieden, in den Schutz der Netzsperre zurückzukehren. Um 06:36 Uhr, als die zweite Angriffswelle gemeldet wurde, war Tirpitz immer noch damit beschäftigt, an ihren Liegeplatz zurückzukehren.

Der zweite Angriff begann um 05:25 Uhr und lief ab wie der erste. Der Witterungseinfluß der eisigen Winde auf die Motoren der Barracudas - während der Fahrt in den nördlichen Gewässern - führte dazu, daß ein Flugzeug der 829. Staffel den Start verfehlte, eine weitere Maschine der gleichen Staffel fiel kurz nach dem Abheben ins Wasser, wobei die Besatzung ums Leben kam. Dieses Flugzeug hatte eine 725,7 kg-Bombe getragen, von denen jetzt nur noch zwei weitere bei dieser Welle mitgeführt wurden; es war ausgerechnet die wichtigste Waffe. Die anderen Flugzeuge hatten neununddreißig 226,8 kg-Halbsprengbomben, neun 226,8 kg-Bomben normaler Wirkung und zwei 272 kg-Ubootbekämpfungsbomben. Die Leitung des Angriffs lag bei LieutenantCommander (A) V. Rance, RN, dem Staffelkapitän der 52. TBR-Staffel. Der Anflug folgte dem gleichen Kurs wie bei der ersten Welle - ein tiefer Flug mit nachfolgendem Steigen auf 3000 m. Das Zielgebiet war auf 40 Meilen Entfernung klar erkennbar. Das lag an dem braunen Rauchschleier, der von dem Nebel im Kaafjord herrührte. Der Nebelschleier behinderte die Tirpitz mehr als die angreifenden Flugzeuge, verdeckte ihre Abwehrleitstände, aber nicht die Umrisse des Schiffes. Alle Versuche einer Horchpeilung nach Auslösung des Luftalarms - um 06:33 Uhr - waren vergeblich, weil sich die Schiffssirene im geöffneten Zustand verklemmt hatte. Die 10,5 cm-Flak schoß gezieltes Sperrfeuer in den Sektor, aus dem der Anflug erfolgte, aber die Nahbereichsflak konnte nur blind schießen, eine Anwendungsart, für die die automatischen Kanonen weder vorgesehen noch ausgerüstet waren. Die zehn Hellcats der 800. Staffel und die 20 Wildcats der 896. und 898. Staffel waren so wirkungsvoll gegen die Flak wie ihre Vorgänger, und nur eine Barracuda ging verloren. Vom Angriff der Barracudas auf das Ziel selbst wurde nichts gesehen, aber es wurden fünf weitere Treffer erzielt. Eine 725,7 kg-Bombe, aus 900 m bis 1050 m abgeworfen, durchschlug die 5 cm-Panzerung des Backdecks, aber wurde dann von einer Stütze gebremst und blieb liegen, ohne zu detonieren. Zwei 226,8 kg-Bomben detonierten am Oberdeck und riefen lediglich Splitterschäden hervor. Eine 226,8 kg-Halbsprengbombe jedoch durchdrang das Dach des Stb-Hangars und detonierte nahe des 15 cm-Turms Stb I. Das verursachte einen weiteren Brand in der Nähe des Bereiches, in dem schon beim ersten Angriff ein Feuer durch eine 725,7 kg-Bombe ausgebrochen war. Der fünfte Treffer der zweiten Welle wurde mit einer 226,8 kg-Halbsprengbombe erzielt. Sie detonierte, als sie das Oberdeck durchschlug, verursachte dabei ein Loch von 1,8 m Durchmesser, und in den darunterliegenden Unterkünften und Hellegats brach ein Feuer aus. Bei diesem Treffer fiel auch der 15 cm-Turm Bb I aus. Ein Nahtreffer seitlich des Stb-Wellenlagers rief Splitter- und Druckschäden hervor und führte zum Wassereinbruch. Wieder war der Angriff schnell vorüber, und die Flugzeuge kehrten zu den Trägern zurück.

Die angreifenden Flugzeuge hatten bei diesen Angriffen insgesamt 92 Bomben mit einem Gesamtgewicht von 25 ts abgeworfen. Die Jäger hatten sich nicht allein darauf beschränkt, die Feuerleit- und Flakstände der Tirpitz mit ihren 12,7 mm panzerbrechenden Hartkerngeschossen anzugreifen. Als die Flugzeuge abdrehten, griffen sie kleine Patrouillen- und Hilfsfahrzeuge im Langfjord, im Stjernsund und vor der Insel Loppa an. Die erste Welle beschoß den bewaffneten Trawler Vp 6103, tötete den Kommandanten und hinterließ viele Verwundete an Bord, schoß den 535 t-Dampfer Dollart in Brand und, noch viel wichtiger, das dort liegende 13246 t-Werkstattschiff Larsen, ein ehemaliges Walfangmutterschiff. Die zweite Welle beschädigte einige U-Jäger, Uj 1212 und Uj 1218, des dortigen U-Jagdverbandes und verwundete ein weiteres Dutzend Soldaten.

Die Verluste auf der Tirpitz waren groß. Nicht weniger als 120 Offiziere und Besatzungsangehörige fielen, zusätzlich zwei Werftarbeiter. Weitere 316 Soldaten wurden verwundet, einschließlich des Kommandanten, der beim ersten Angriff von Splittern getroffen wurde. Keine Bombe hatte das Panzerdeck durchschlagen, und nur fünf Bomben durchdrangen das gepanzerte Oberdeck. Es überrascht, daß die Verluste so hoch waren, rund 15% der Gesamtstärke. Obwohl die Mehrzahl der Soldaten, die getroffen wurden, zu den Geschützbedienungen gehörte, verschoß die Flak 506 Schuß 10,5 cm, 400 Schuß 37 mm und 8260 Schuß 20 mm, und das innerhalb von 5 Minuten.

Tirpitz hatte umfangreiche und ernste Oberflächenschäden erhalten, aber sie war nach wie vor in der Lage zu fahren und ihre schwere Artillerie einzusetzen. Der Unterwasserschaden, hervorgerufen beim Angriff am 3. April, erforderte einen Monat Reparatur, einschließlich der erforderlichen Unterwasserschweißarbeiten, die von Tauchern ausgeführt wurden, und das in einem Wasser, dessen Temperatur nahe dem Gefrierpunkt lag. Auch in diesem Falle wurde ein Docken in Deutschland nicht erwogen, obwohl das die Qualität der Arbeiten wesentlich erhöht hätte. Die durch Druck und Feuer hervorgerufenen inneren Schäden erforderten eine längere Instandsetzungszeit, weil umfangreiche elektrische Kabel und Telefonleitungen ausgewechselt werden mußten. Aber zum 1. Juli 1944 war Tirpitz erneut für erste Erprobungen klar. Die Admiralität schätzte, daß die Deutschen drei Monate brauchen würden, sie wieder gefechtsklar zu machen.

Die Arbeiten im Kaafjord verliefen unbehelligt, obgleich das nicht in der Absicht der britischen Admiralität lag. Drei Trägeroperationen wurden während dieser Zeit geplant (Operationen Planet, Brawn und Tiger Claw), aber alle wegen der schlechten Wetterverhältnisse im Bereich des Altafjordes aufgegeben. Am 24. April wurde die Operation Planet - mit den gleichen Trägern wie bei Tungsten, in dem Augenblick abgeblasen, als die Einheiten die Angriffsposition erreicht hatten. Im Verband war lediglich Fencer gegen Striker als U-Jagd-Träger ausgetauscht worden.

Am 15. Mai starteten 27 Barracudas von Victorious und Furious, den einzigen Trägern der Operation Brawn. Der Angriff, gesichert von Corsairs und Seafires, erreichte die Küste, aber als man feststellte, daß über dem Kaafjord in 300 m Höhe eine dichte Wolkendecke lag, drehte man wieder ab. Schließlich gaben die gleichen Schiffe am 28. Mai die Operation Tiger Claw auf, ohne daß ein Angriff startete. Der Verband drehte ab, um vor dem Aalesund besseres Wetter abzuwarten, wo er am 1. Juni vier große Handelsschiffe vorfand.

Anschließend verließ Victorious den Verband der Home Fleet, und es gab eine Pause von zwei Wochen. Danach hatten zwei weitere Flottenträger, Formidable und die neue Indefatigable ihre Ausbildung abgeschlossen. Das 8. TBR-Geschwader wurde von Furious auf Formidable verlegt und durch zwanzig F 6 F-3 Hellcats ersetzt, die für ältere Träger vorgesehen war. Indefatigable erhielt das 9. TBR-Geschwader (820. und 824. Staffel), sowie die 1770. Staffel, die erste Einheit, die mit dem neuen zweisitzigen Fairey Firefly-Jagdbomber ausgerüstet wurde.